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Ausgabe 1 / 2006 Beiträge Wieviel ist eigentlich UNZÄHLBAR? 1636 dichtete Martin Rinckart das (Kirchen-)Lied "Nun danket alle Gott", in dessen erstem Vers die Wendung "… unzählig viel zugut und noch jetzund getan" steht. Es ist eine der wenigen Wendungen, in der unzählig richtig verwendet worden ist, denn "zugute Getanes" wird sich schon deshalb nicht zahlen lassen, weil sich "gut" nicht eindeutig definieren lässt, vielmehr ganz subjektiv empfunden wird. Aber dass unzählige Menschen zur unsäglichen Love-Parade nach Berlin oder ähnlich viele zu einem Open-Air-Konzert gepilgert sein sollen, ist schlicht falsch: man hat sie nur nicht gezählt. Vielleicht ist unzählig gar keine Mengenbestimmung? Dann würde es (richtig!) bedeuten, dass "zugute Getanes" nicht gezählt werden soll. Und dann käme es dem Begriff zahllos sehr nahe? Manche Wörterbücher stellen die beiden Begriffe dicht nebeneinander. Sie folgen damit dem Sprachgebrauch. Aber: Zahlen sind für uns wichtige Ordnungsmittel. Bei zahllos würden wir also andeuten, dass etwas nicht geordnet werden darf/soll. Ehrlich hingegen ist ungezählt. Da geben wir unumwunden zu, dass wir nicht zählen wollten oder das Zählen vergessen haben. Nur wer sehr kritisch hinsieht, könnte dann bemerken, dass auch wenige Menschen ungezählt sein können. Für die meisten von uns deutet ungezählt allerdings eine große Zahl an Und warum sagen wir statt unzählig nicht unzählbar? Weil wir genau wissen, dass heute fast gar nichts mehr unzählbar ist (Ausnahme: siehe oben). Ich verwende unzählig und zahllos schon längst nicht mehr. HD
Georg Walz Exposé - die Chance für den Autor Jüngere und vor allem noch nicht etablierte Autoren sehen die Erstellung eines Exposés oft als lästig, gelegentlich als völlig überflüssig an. Natürlich verursacht das Schreiben des Exposés zusätzlichen Aufwand und kostet Zeit. Doch es ist eine wichtige Aufgabe des Autors, seine Buchidee oder sein Manuskript einem Verlag zu verkaufen. Ein gutes Exposé ist sehr nützlich. Animation zum Probelesen Die erste Hürde, die ein Manuskript bewältigen muss, ist üblicherweise der Lektor eines Verlages. Dieser ist der erste Käufer, dem der Autor sein Werk anbietet. Lange, bevor ein Buch den Buchmarkt und letztlich die Zielgruppe, den Leser, erreicht, muss der Autor im ersten Schritt den Lektor überzeugen, sein Manuskript zu "kaufen". Die häufig von unerfahrenen Autoren praktizierte Methode - das Manuskript schreiben, eintüten und möglichst vielen Verlagen unabgesprochen per Post oder schlimmstenfalls per Mail zu senden - führt nicht zum Erfolg. Diese Tatsache hat sich zwar mittlerweile auf breiter Basis herumgesprochen, trotzdem werden die Lektoren nach wie vor mit einer Fülle unverlangt eingesandter Manuskripte überschwemmt. Unbelehrbare Autoren, die ihre Manuskripte wahllos an Verlage schicken, ohne sich über deren Verlagsprogramm informiert zu haben, gibt es immer wieder. Im günstigsten Fall wird der "Bestseller" ungelesen mit einer Standardabsage und ein paar freundlichen Zeilen, inklusive bester Wünsche für die literarische Zukunft, zurückgeschickt, sofern Rückporto beiliegt. Die gängige Alternative dazu ist der Reißwolf. Dass ein Lektor, durch welchen Zufall auch immer begünstigt, ein mehrere hundert Seiten umfassendes Manuskript ohne die Visitenkarte "Exposé" zu lesen beginnt und derart begeistert und gefesselt ist, dass er es nicht mehr aus den Händen legt, ist zwar theoretisch denkbar, aber eher ein Wunschtraum mancher Autoren. Es liegt daher im Sinne des Autors, dafür zu sorgen, dass sein Werk die Beachtung erzielt, die es verdient. Legen Sie also dem Manuskript Ihre Visitenkarte bei: das Exposé. Es versetzt den Lektor in die Lage, in Kurzform alles Wissenswerte über das Werk zu erfahren. So wie es beim Verkauf eines Autos selbstverständlich ist, einem potentiellen Käufer alle interessanten Details in einer Verkaufsanzeige zur Verfügung zu stellen und ihn zu einer Probefahrt einzuladen, gilt das auch für Ihr Exposé: Gelingt es Ihnen, den Lektor durch den "Werbetext" Exposé zum Lesen Ihres Probekapitels zu animieren und für eine Veröffentlichung in seinem Verlag zu prüfen, ist ein entscheidender erster Schritt in Richtung Buchpublikation getan. Der erste Satz ist wichtig Ein gutes Exposé ist verkaufsfördernd. Es ist die Werbebroschüre des Verkäufers (Autor), das den Käufer (Lektor, Verlag) überzeugen soll, exakt diesem Produkt (Manuskript oder Buchidee) zu vertrauen, es zu produzieren und auf den Markt zu bringen. Bedenken Sie, dass Sie nur wenige Minute Zeit haben, um den Lektor für Ihr Projekt zu interessieren, ihn zu animieren, dieses Exposé zu lesen. Dazu muss das Erscheinungsbild stimmen. Ein interessanter und spannender erster Satz, der die Neugierde des Lektors weckt, ist genau so wichtig wie eine gut durchdachte Gliederung und ein aussagekräftiger Inhalt. Ihr Exposé soll etwas Besonderes sein. Es muss aus all den anderen Exposés, die der Lektor Tag für Tag auf seinem Schreibtisch vorfindet, die er an den Tagen und Wochen vorher schon in der Hand hatte, herausstechen. Es muss ihn veranlassen das Exposé nicht achtlos aus der Hand zu legen oder sofort in den Papierkorb zu werfen. Jeder Satz muss ihn motivieren, den darauf folgenden zu lesen. Sie haben drei, in Ausnahmefällen maximal fünf Seiten, um den Lektor zu überzeugen, dass Ihr Manuskript in sein Verlagsprogramm passt, das Buch Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg verspricht, und dass Sie eine klare Vorstellung von Ihrer Zielgruppe haben, weil Sie plausibel darstellen können, dass es für diese von Interesse ist und angenommen wird. Nur der positive Gesamteindruck aller Punkte wird den Lektor veranlassen, mit Ihrem Manuskript in die Redaktionskonferenz zu gehen, dieses dort seinen Kollegen vorzustellen und es unter Umständen sogar gegen eventuelle Bedenken und Widerstände durchzuboxen. Alles, was dem Verkauf dient, ist dabei erlaubt. Doch ist stets zu bedenken, dass das Anliegen eines Autors langfristig angelegt sein sollte. In der Werbebroschüre zu übertreiben und Hoffnungen zu wecken, die letztlich von dem Produkt Manuskript nicht erfüllt werden, ist gefährlich. Gliederung als Gerüst Jedes Exposé folgt einer festgelegten Gliederung. Die einzelnen Punkte können in der Reihenfolge variieren, es sollten jedoch alle enthalten sein und behandelt werden. Ein Blick auf das Gliederungsgerüst zeigt, dass die oftmals geäußerte Vermutung, das Exposé darf nicht mehr als eine Seite lang sein, ad absurdum geführt ist. Nur dort, wo diese Forderung von Verlagsseite erhoben wird, ist es unumgänglich, sie einzuhalten. Das kann nur durch Komprimierung und gezieltes Weglassen erreicht werden. Werfen wir zunächst einen Blick auf wichtige Gliederungspunkte und die mögliche Struktur. Jedes Werk erhält zunächst einen Arbeitstitel. Dieser wird in aller Regel noch nicht der endgültige Buchtitel sein. Trotzdem ist er mit Bedacht auszuwählen und sollte das Buch treffend charakterisieren. Konzeptionelle Angaben bestimmen das Äußere Zunächst ist es sinnvoll, Genre und Zielgruppe zu definieren. Natürlich möchte der Autor, dass jeder sein Buch kauft und sogar liest. Das ist ein schöner Wunsch, der leider der Realität des Buchmarktes nicht standhält. Jedes Buch hat eine Zielgruppe, die von dem Inhalt bevorzugt angesprochen wird. Das Genre, dem es sich zuordnen lässt, bestimmt diese Gruppe. Krimis, Romane, Biografien, Märchen, Reiseberichte sind Beispiele für Genres. Um hohe Verkaufszahlen zu erreichen, ist es wichtig, eine möglichst große Zielgruppe anzusprechen. Nischenprodukte erreichen so gut wie nie hohe Auflagen. Erlaubt ist es, Genres zu mischen, um den Fangbereich der Zielgruppen zu erweitern. Eine kriminalistische Handlung, verpackt in eine glühende Liebesgeschichte, gewürzt mit einem Hauch von Abenteuer und Reiseromantik, spricht unter Umständen Teile von vier völlig unterschiedlichen Zielgruppen an. Die Einordnung des Buches in eine Sparte oder Reihe des Verlages kann sehr hilfreich sein. Behandelt das Buch ein aktuelles oder brisantes Thema, ist es speziell auf ein nahendes Ereignis zugeschnitten, so sind das wichtige Hinweise, die im Exposé anzumerken sind. Konzeptionelle Gedanken und Überlegungen sind wichtig und können durch einen Vorschlag für einen darauf abgestimmten Erscheinungstermin des Buches vervollständigt werden. Der geplante Buchumfang wird üblicherweise in Normseiten angegeben. Eine Normseite hat 30 Zeilen mit je 60 Anschlägen und einen eineinhalbzeiligen Abstand. Anhand der Angabe der Normseiten kann der Verlag leicht den Umfang des Buches und die anfallenden Druckkosten abschätzen. Obwohl letztlich der Verlag und die Markteinschätzung seiner Experten die Ausstattung des Buches bestimmen, schadet es nicht, seine eigene Einschätzung einzubringen. Ergänzend können noch Angaben zu geplanten Illustrationen gemacht werden. Wissenswertes zum Inhalt Beschreiben Sie Ort, Zeitpunkt, Erzählperspektive und Erzählweise. Fassen Sie den Inhalt in Form eines kurzen Klappentextes zusammen. Eine Orientierung bieten gute Buchrückentexte. Danach folgen die Übersicht der Figuren und deren Beschreibung. Von Bedeutung sind die Protagonisten der Geschichte. Die Vorstellung und Charakterisierung der Protagonisten und weiterer wichtiger Nebenfiguren, ohne dabei auf unwichtige Randfiguren einzugehen, und das Skizzieren der Entwicklung der Personen im Rahmen der vorgesehenen Handlung verschafft dem Lektor den notwendigen Überblick. Dann endlich ist der Autor in seinem Element und darf sich austoben. Allerdings auch hier nur in einem klar begrenzten Rahmen. Kurze Stichworte erklären in der Übersicht die Kapitel. Als Leseprobe bietet sich das erste Kapitel an. Der ausgewählte Text muss den Lektor fesseln und in ihm den Wunsch wecken, die ganze Geschichte lesen zu wollen. Motivation und Persönliches Die Erläuterung, weshalb der Autor dieses Buch geschrieben hat und wie er auf die Idee für das Manuskript gekommen ist, ergänzt das Exposé. Gab es einen konkreten Anlass zum Schreiben? Existiert eine Verbindung zwischen dem Autor und der Geschichte? Verfolgt der Autor mit dem Buch ein bestimmtes Ziel, das er erreichen möchte? Hintergrundinformationen und Hinweise zu notwendigen Recherchen können von Bedeutung sein und sollten nicht fehlen. Auch ob die Protagonisten tatsächlich gelebt haben und ein Bezug zu diesen herstellbar ist, ist für einen Verlag von Interesse. Sachliche Angaben, die sich auf Wesentliches beschränken, sind bei den Angaben zum Autor angesagt. Wenn Sie Ihre Biografie schreiben möchten, tun Sie das, aber nicht im Exposé, sondern auf einer gesonderten Seite zusammen mit der Bibliographie. Ergänzende Erläuterungen und Hinweise, die speziell Sie für das Schreiben dieses Textes prädestinieren, dürfen auch nicht fehlen. Eine Liste mit bisherigen Veröffentlichungen, wie Buchpublikationen, Beiträge in Anthologien und Literaturzeitschriften und Literaturpreise rundet die Angaben ab. Sinnvollerweise wird diese als gesondertes Blatt beigelegt, sofern sie länger ist. Die Auswahl ist mit Bedacht und die Beiträge sind gezielt danach auszuwählen, ob das Wissen um diese den Lektor möglicherweise positiv in seiner Entscheidung beeinflussen kann. Nur Veröffentlichungen, die einen Bezug zum Manuskript haben, sind für den Lektor von Interesse. Wie oft Gedichte abgedruckt wurden, spielt bei einem Romanexposé eine untergeordnete Rolle. Besonders fatal ist, Veröffentlichungen mit aufzuführen, bei denen klar erkennbar ist, dass der Autor für die Veröffentlichung bezahlt hat. Nicht jeder Versuch führt zum Erfolg Hat der Autor all dies beachtet und erhält er nach eingehender Prüfung einen Verlagsvertrag, so darf er sich glücklich schätzen. Sein Exposé hat ihn in den Kreis derer gehievt, die zu den schriftstellerisch Auserwählten gehören. Hat es hingegen nicht geklappt und kommt nach einiger Zeit eine Absage, so können die Ursachen vielfältiger Natur sein. Die Absage darf allerdings nicht dazu führen, den Kopf in den Sand zu stecken und entmutigt den Bleistift aus der Hand zu legen oder die Tasten des Laptop nicht mehr zu quälen. Weiter versuchen, aber mit Verstand und der Visitenkarte - dem Exposé. |