|
Ausgabe 3 / 2006 Beiträge Eckhard Erxleben ECHO DES MOMENTS Japanische Kurzlyrik begleitet mich schon seit langem. Doch wenn ich ihr in Bibliotheken, Buchhandlungen oder auch auf Tuschzeichnungen in Ausstellungen begegnete, dann war es oft nur ein flüchtiger Moment einer kurzen Freude, und ich vergaß die Begegnung bald wieder. Ich erinnere mich auch noch, dass ich in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in einer Lyrikvorlesung während meines Studiums etwas zum Haiku erfahren habe. Als etwas Fremdes von eigenartiger Schönheit habe ich es damals empfunden, das aber weit hinter meinem Horizont liegt und nicht von mir erschaffen werden kann. Doch Gedichte schreibe ich seit meiner Kindheit, und ich hatte schon in den sechziger Jahren Veröffentlichungen. Aber dann begannen für mich einige Jahrzehnte des gewollten literarischen Schweigens. Endlich nach der gesellschaftlichen Wende 1989, die auch viele persönliche Verände-rungen mit sich brachte, sprudelten die lyrischen Quellen wieder. Ich veröffentlichte unter anderem die Lyrikbände Baumwörter blau verschleiert und traumlese und den gleichnamigen, von Hanno Haag vertonten Liederzyklus. Vor einigen Jahren stieß ich fast zufällig auf die Internetseite von Hans-Peter Kraus. Und ich merkte, dass einige meiner Kurzgedichte sehr der Haikuform äh-nelten. Also veröffentlichte ich sie nur leicht überarbeitet dort und fand eine gute Resonanz. Dann kam eine Phase, in der ich bewusst Haiku zu schreiben begann und sie ins Netz stellte. So auch mein wohl inzwischen bekanntestes Haiku: zwei alte Boote reiben knirschend holz an holz fest angekettet (aus: traumlese) Im August 2002 erschien in der Literaturzeit-schrift Federwelt der Artikel von Hans-Peter Kraus Haiku - zeigen und schweigen. Darin bezeichnete der Autor dieses Haiku als ein herausragendes Beispiel. Das geschah zu meiner Überraschung und Verwunderung. Jetzt wollte ich es genau wissen und wandte mich noch bewusster der Haiku-Theorie, der Beziehung von Haiku und Zen und dem Lesen übersetzter japanischer Meisterhaiku zu. Mit Interesse verfolgte ich, was auf den Internetseiten bei der Deutschen Haiku-Gesellschaft erschien. Das alles sollte eigentlich nur eine Episode sein, und ich wollte mich als Lyriker nur mal kurz in diese Form vertiefen, wie ich es vor einigen Jahren zum Beispiel auch mit dem Sonett getan hatte. Aber es kam anders. Ich merkte, dass der Haikumoment ein Echo in meiner Seele nachhallen ließ, auf das ich nicht mehr verzichten wollte. Ich nahm aus solchen zu Worten geronnenen Momenten etwas in die nächste Zeit mit, das mir ein beschwingtes und manchmal länger verweilendes Gefühl bescherte. Der Moment löste ein Echo in mir aus, das manchmal auch längst Vergessenes wieder zum Erklingen brachte und den Blick für neue Wahrnehmungen weitete. Den Stoff für meine Haiku entnehme ich gern der Natur. Die Elbtalaue, das Wischegebiet und die oft noch naturnahen Landschaften der Altmark und der Prignitz sind mir sehr vertraut. Ich wirke auch im Rahmen des naturnahen Waldbaus im Gebiet um Schorstedt selbst an der Land-schaftsgestaltung mit. So gibt es manchmal Momente des Staunens mitten in der Natur, und ein Haiku schwebt mir wie ein Echo zu. Die Wische ist ein Niederungsgebiet bei Osterburg. Sie liegt mehrere Meter unter dem Meeresspiegel, und in diesem wenig besiedelten Gebiet kommt es zu ursprünglichen Begegnungen mit der Natur. Es gibt Momente, in denen man spürt, dass wir ein Teil des Werdens und Vergehens sind. Mit ihren Weiden, den mit bizarren Wurzeln in die Flussläufe greifenden Erlen und geheimnisvollen Morgennebeln hält die Wischelandschaft schöne Erlebnismomente bereit: das hochwasser fällt wiedergeburt der auen noch flußblau und feucht Viele meiner Haiku sind auch in Schorstedt entstanden. Schorstedt ist ein kleines altmärkisches Dorf in der Nähe des Städtchens Bismark. Mit dem mythischen Silberberg und einem nur wenigen Menschen bekannten versunkenen Dorf gibt es dort geheimnisumwitterte stille Orte, die auf Nachdenkliche und Meditierende warten. Von Wald umgeben trifft man hier auf eine reich in Wiesen und Felder gegliederte Landschaft, die noch ganz unverbraucht und unentdeckt daliegt. Hier kenne ich fast jeden Baum, jede Pferdewiese und jeden Graben und kann über manche Veränderung und über manchen Fingerzeig der Natur staunen. Und aus dem Staunen werden Worte ... Diese eben beschriebenen Landschaften prägen meine Poesie und schaffen manchmal Momente, deren Echo in ein Haiku mündet. Ich wünsche mir in diesem Schaffensprozess, dass meine Haiku nicht nur Echo und Spiegel der Natur sind, sondern ein Echo meiner Begegnung des mit Erstaunen Wahrgenommenen. Dieser flimmernde Augenblick zwischen ewiger Vergänglichkeit und dem einmaligen Jetzt. Manchmal entstehen meine Haiku auf sehr eigenwillige Art und Weise. Da gibt es bei uns zum Beispiel das idyllisch neben einem Landschaftspark gelegene Reitsportzentrum Krumke bei Osterburg. Dort gab es den berühmten Hengst Kolibri, der im brandenburgischen Haupt- und Landesgestüt Neustadt/Dosse bereits zu Lebzeiten ein bronzenes Standbild erhalten hatte. Bei einer von mir besuchten Vorführung steht also dieser für ein Pferd uralte Hengst am Rande. Dann ertönt Musik für den Auftritt der jungen Hengste. Aber da richtet Kolibri sein Haupt auf und tänzelt wie bei der Quadrille in seinen besten Jahren. Ein Raunen geht durch das Publikum. Und schon trabt ein Haiku fertig in die Reithalle, und ich brauche es nur noch einzufangen: irgendwo musik dem alten quadrillehengst zucken die ohren Ich habe mich sehr gefreut, dass bei diesem Haiku auch manchem alten Haikuliebhaber die Ohren zuckten. Eine schöne Situation erlebte ich einmal bei einer poesievollen Märchenaufführung. Ich war mit dem vierjährigen Friedrich im Theater der Altmark in Stendal zu einem Puppenspiel. Als der Puppenspieler von der Bühne ging, verlor er eine Handpuppe. Einsam lag sie auf der halbdunklen Bühne. Mein wissensdurstiger Begleiter fragte, was mit den Puppen nach dem Spiel denn ge-schehe. Ich antwortete, und plötzlich durch-zuckte es mich. Die Antwort war ein Haiku: der puppenspieler packt alle die da kämpften in seine kiste So hallte das Echo dieses Moments noch lange in mir nach. Zu meiner Freude wählten auch alle Jurymitglieder bei www.haiku-heute.de dieses Haiku zu ihrem Favoriten des Monats Januar 2004 mit der höchstmöglichen Punktzahl. Manchmal fallen mir auch Haiku ein, die ein Echo zu Fragen der Zeit sind. So macht mich der übertriebene Autostraßenbau durch Gegenden, in denen niemand solche Straßen braucht, traurig. fünf schwäne schweben dicht über der autobahn das saatfeld suchend (aus: traumlese) In diesem Haiku habe ich die Personifizierung der Vögel gewagt. Denn die Traurigkeit der menschlichen und animalischen Kreaturen ist sich sehr ähnlich. Vielleicht können wir Menschen manchmal in einem Haiku zum Mund der Natur werden. In letzter Zeit wende ich mich auch dem humorvollen und mundartlichen Haiku zu. So stellte ich vor einiger Zeit dieses Haiku ins Internet: Ick kiek ut Fääster. Un wat seh ick dann buten? Nachbarsche kiekt och. Danach überraschten mich Haikudichter aus vielen deutschen Regionen mit der Übersetzung meines Haiku in ihre Mundart. Ich habe gespürt, wie diese kleine Kunstform das gesellige und humorvolle Miteinander fördern kann. Daran hatte ich viel Spaß, und es wird bestimmt nicht mein letztes Haiku im altmärkischen Platt gewesen sein. Ich schreibe meine Haiku wie auch meine deutsche Lyrik in Kleinschreibung und ohne Zeichensetzung. Das gibt mir so ein Gefühl der gedanklichen Freiheit und schwebenden Entgrenzung. Nur meine mundartliche Lyrik entstammt einer anderen Tradition und wird in normaler Schreibweise und Zeichensetzung geschrieben. Meist ist die Form aller meiner Haiku von vornherein in der Silbenzahl fünf/sieben/fünf gestaltet. Ich mag diese Form, und sie gehört zu meinem Haikuverständnis. Ehe ich aber die Silben entgegen der Aussage und sprachlichen Schönheit in dieses Silbenschema presse, gestatte ich mir auch gelegentlich Haiku im freien Stil. Der Inhalt muss sich seine Form suchen, und meine Inhalte wollten sich bisher oft ganz freiwillig vor allem in fünf/sieben/fünf ausdrücken. Nach der Veröffentlichung meiner beiden Lyrikbände war ich ein wenig poesiemüde geworden. Die Beschäftigung mit dem Haiku hat mir sehr geholfen, meinen Blick im Hier und Jetzt wieder klarer und frischer werden zu lassen. Diese Haikumomente sind für mich voller Akzeptanz der Vergänglichkeit von allem. Ich genieße das Echo des Moments, das von der Einheit des Weltganzen spricht, das wohl auch mich wohlwollend umfängt und als zugehörig bewahrt. In meinen Seminaren zur Poesietherapie nutze ich diese Möglichkeiten des Haiku. Sozialpädagogen, die an meinem Unterricht teilnahmen, versicherten mir, dass sie durch die Beschäftigung mit dem Haiku einen anderen Blick auf die Natur, auf sich selbst und auf ihre Klienten bekommen hätten. Durch Haikudichtung kann man lernen, von sich abzusehen, gelassener zu werden und die Seele wieder frei zu haben für den Empfang von Neuem und Ursprünglichem. The-rapeuten und Sozialpädagogen sind so auf-nahmebereiter für die Welt des Gegenübers und können vielleicht kompetenter helfen. Auch mir scheint es, dass mich das Haiku immer wieder zur Einfachheit im besten Sinne führt und mich staunen läßt über die Welt, die so bunt und vielfältig in meine Seele dringt. Beim Schreiben von Haiku liebe ich das Spiel mit Alliterationen. Auch das Nachhallen der Vokale über die Zeilen hinaus und ein vom Inhalt genuin geborener Rhythmus bereiten mir Hör- und Sprachgenuss. Ich schätze eine gewisse Musi-kalität in meinen Haiku und in den Haiku der anderen. Aber mir ist auch die Verbindung des Haiku zur bildenden Kunst wichtig. Im November des Jahres 2006 wird mein Haikubuch Echo des Moments erscheinen. Es wird von dreizehn Grafikern illustriert, die ein liebevolles Verhältnis zur altmärkischen Landschaft und eine hohe Sensibilität in der Aufnahme und dann bildhaften Gestaltung dieser lyrischen Kurzform haben. Viel können wir lernen, aber ein paar Dinge werden uns wohl aus dem Inneren geschenkt, und wir können uns nur bei unseren Vorfahren bedanken, dass uns diese Möglichkeiten in die Seele gelegt wurden. So bleibt bei der Entstehung eines jeden Haiku auch ein kleines Geheimnis zwischen dem Dichter, all den Worten und dem mit Bedeutung aufgeladenen Haikumoment. Und weil ich das Echo dieses Moments liebe, werde ich wohl immer wieder ein Haiku, das an mir vorüberzieht, in mein Haus, in mein Notizbuch bitten. Karl-Heinz Schreiber DER FRAGENDE der fragende ist nämlich der eigentliche mensch das sage ich ihnen in aller geduld und er muß es anerkanntermaßen sein er kann nicht anders es ist so erforderlich und das müssen sie sich hier schon anhören ob es ihnen nun in ihre weltan-schauung paßt oder nicht darum kann es auch gar nicht gehen zur ureigensten qualität des menschseins gehört sehr logisch die unaufhaltsa-me entwicklung und die eigentliche substanz von entwicklung ist das fragen und infragestellen nichts darf zweifelsfrei bleiben alles ist einer er-wägung wert wehren sie sich nicht dagegen es geht hier um existentielle gesetzmäßigkeiten mit-hin wäre auch bereits der begriff des fragenden menschen ein ungeheuerlicher pleonasmus aller-dings wird wohl diese naive stilfigur manchmal durchaus zur existentiellen verdeutlichung von durch vernachlässigung banalisierten begriffen le-gitim und geradezu reizend mit manchen worten und begriffen sind wir uns nur selbst im weg es ist kaum vorstellbar daß die menschen jemals die freundschaft ihrer sprache gewinnen werden wer wäre überhaupt legitimiert jegliche fragen zu vermeiden können sie sich überhaupt einen men-schen vorstellen der nichts mehr zu fragen hätte woraus wollte der noch spannung beziehen was könnte ihn noch überraschen oder motivieren antworten sind jedenfalls ein gefährliches ruhe-kissen das unverhofft den schleichenden er-stickungstod bringt wenn man mit metaphern handeln könnte wären wir umsatzmillionäre weswegen belästigen sie mich eigentlich mit ihren abwegigen theorien haben sie es denn noch nicht bemerkt auch sie stellen immer wieder fra-gen ohne selbst eine perspektive auch nur anzu-deuten welcher beweis wäre nun aber besser als der den der kritiker selbst erbringt daraus ließen sich interessante interviews gestalten sie haben also zweifel am zweifel und sie leugnen die un-verzichtbarkeit kontinuierlicher fragen diese the-sen bewahrheiten sich unangreifbar aber ich stelle ihnen doch meine aufmerksamkeit zur verfügung das ist keineswegs selbstverständlich das ist schon eine besondere gunst meinerseits und im übrigen auch ein talent zum fragenden gehört zweifelsohne daß er ge-wisse qualitäten aufweise die ihn eben für seine vage haltung der jeweils provozierenden vorläu-figkeit direkt verantwortlich werden lassen zwar scheint der fragende durch diese seine grund-disposition bereits weit gediehen doch muß auch gerade er exemplarisch zur verweigerung der öden selbstgefälligkeit anregen letztere überfällt uns mit voreiligen antworten welcher vorgang immer eine brachiale ideologisierung des individuellen wie auch gesellschaftlichen menschseins bedeutet und bedingt eine gesunde skepsis ist immer mehr wert als eine hysterische antwortphobie sie möchten offensichtlich nichts in seiner vorhandenheit akzeptieren wozu auch jede antwort die nicht ihre vorläufigkeit und damit ihre negation durch die nächste frage selbstverständlich in sich trägt drängt uns in die tiefe sackgasse puren terminologischen zeitvertreibs sie verkomplizieren natürlich das leben und sie nehmen dem gehetzten menschen auch noch seine sekurität worauf soll der sich denn noch verlassen insofern frage und antwort mit wahrheit zu tun haben liegt aber die wahrheit notwendigerweise immer in den fragen nie in den antworten nicht das prinzip zählt sondern die bereitschaft wir sind ja auch geradezu angewiesen auf offenheit es wäre doch eine elende sturheit wollte man sich versteifen auf axiomatische floskeln die zeit der heilslehren ist endgültig vorbei es leben die investikativen tugenden und methoden wenn sie wollen daß ich ihnen meine aufmerksamkeit weiterhin widme müssen sie schon konkreter werden kein vorgang dieser erde ereignet sich abstrakt das ist quasi eine existentielle gesetzmäßigkeit und etwaige fragen stellen sich eben nicht von selbst nein sie werden notwendigerweise von einem menschen formuliert der sich freilich auch für überflüssiges fragen und logischerweise zwanghaftes antworten jederzeit rechtfertigen muß der mensch jedenfalls kann fragen nicht verweigern das fragen ist die einzige chance stagnation zu ver-meiden dies gilt im wissenschaftlichen und po-litischen bereich ebenso wie insgesamt in unserer exis-tenz wir sollten uns darauf freuen mit fragen neue horizonte zu öffnen allerdings gibt es im alltag zu viele fragen die lediglich in die nervenbahnen zielen und weit davon entfernt sind visionär zu wirken das ist der fluch der pragmatik und des insistierens jetzt nähern wir uns bereits un-erbittlich der unausweichlichkeit wir könnten einander ergänzen ich lade sie ein zu einer speku-lativen exkursion fragen zielt doch unnachgiebig auf wissenwollen und auf erkenntnis das bedeutet überhaupt die würde der philosophie fragen unterminiert zwangsläufig jegliche basis idyllischer gläubigkeit der fragende stellt alles zur disposition sein privates glück die regierungsform seines landes die moral den tod und auch gott dem fragenden ist schlichtweg nichts heilig er kennt keine furcht ihn schrecken keinerlei sanktionen allein der fragende kann sich ideolo-gischen suggestionen entwinden nun aber vor-sicht sie spielen hier womöglich eine simplizität gegen eine andere aus keineswegs ich bin mir der zähen hinderlichkeiten durchaus geradezu schmerzhaft bewußt und freilich ist der fragende kein märtyrer er opfert sich für keine idee er sucht überhaupt erst nach der existenz einer solchen die vorgabe wirkt gekünstelt der prozeß gestaltet sich mühsam keineswegs sie müssen sich allerdings eingestehen daß es im leben keine garantien gibt es ist wie ein ordinäres losverfahren man opfert und riskiert hierin und dahin und vergißt vor lauter enttäuschung fast schon sich wenigstens noch zu wundern wir müßten womöglich noch ein gemächliches mißverständnis klären möchten sie die menschen nun eigentlich verunsichern oder in ihrem exis-tenzwillen bestärken das sollten sie aber soweit schon erspürt haben unsere wahre stärke besteht in der verunsicherung derer die uns fixsterne und orthodoxien vorgaukeln wollen und ein mögliches weiteres naives mißverständnis muß auch gleich noch entkräftet werden der fra-gende ist kein dummkopf es ist ganz im gegenteil eine existentielle gescheitheit die ihn zum immer weiter fragen drängt das fragen ist die eigentliche schöpferische energie des menschen man darf keine antwort zu ernst nehmen antworten implizieren stagnation jegliche vorgeschützte schlauheit bedeutet lediglich macht die wir aber nicht gewähren dürfen sie klingen etwas verbittert haben sie abartige erfahrungen hinter sich das könnte man so nennen ich mußte durch ideo-logische ghettos irren und ich habe gekämpft ge-gen alberne pseudokritische selbstdarsteller haben sie eine vorstellung davon wie sehr neurose und ideologie miteinander verwoben sind man kann doch dem fragenden nichts verbieten das wäre existentieller suizid man kann allerdings ver-suchen durch vermeidung unnötiger scheinfragen die vergeudung existentieller lebenszeit zu verringern wir benötigen klare kriterien zur un-terscheidung von integrem erkenntnisinteresse und perfider selbstbeweihräucherung wie also ist der mensch als fragender zu verstehen und auch ernst zu nehmen da hätte ich durchaus meine stringente theorie schauen sie dem fragenden muß grundsätzlich klar sein daß er zu fragen hat es muß zweifel geben der zweifel ist der atem der existenz fragen sind das blut der lebendigkeit zu viele menschen haben den hang zur lethargischen akzeptanz die haltung des fragens ist ihnen zu subversiv oder gar zu blasphemisch wie banal können menschen eigentlich sein geben sie mir hoffnung ich möchte mich sonst weigern zur menschheit zu gehören für wen könnte dies einen verlust bedeuten für sie selbst für die menschheit für all die zusammengeschwindelten götter und hier beginnt wahrhaft die anarchie jenseits aller jovialer oder banaler linker oder rechter schamanenwitze allerdings gehört ja nun wohl auch die tatsache daß wir fragende sind zu un-serer eigentlichen existentiellen beschaffenheit das dürfte einsichtig sein darüber brauchen wir uns eigentlich nicht zu streiten das fragen ist die ganz simple phänomenologische basis unseres in-tellektuell genetischen instinkts wir spüren schon irgendwie ob wir und wie wir wozu gehören und der mensch als fragender der sich nicht durchweg als solcher versteht wäre für sich und alle anderen schlichtweg unzuverlässig und unglaubwürdig und was gibt es denn wirklich schlimmeres als daß man sich nicht auf sich selbst verlassen könnte wenn man schon per definition und praxis als mensch durchgehen könnte erlauben sie sind wir denn als menschen nur noch ersatzweise existenzbastarde müssen wir uns ständig rechtfertigen müssen wir uns ständig bezweifeln mir imponiert ihre klaustrophobische erregt-heit das bedeutet wir werden uns ebenso oft ga-rantiert mißverstehen wie wir uns eventuell ver-stehen aber das ist ja genau das offene prinzip des fragens und pendelns nur so können wir uns ge-genseitig auch nützlich sein nun bleiben wir aber konkret wie ließe es sich denn rechtfertigen seinen mitmenschen mit behauptungen zu drohen die sich nicht mehr hinterfragen lassen dürften man kann nur in offenheit leben und insofern der fragende weiß und akzeptiert daß er ein solcher ist kann er aufmerksamkeit beanspruchen vielleicht auch nur quasi beantragen wir sind uns wohl jenseits aller möglichen inhaltlichen ver-querungen darin einig daß es gewisse formalien gibt in unserer banalen existenzweise in jeder ab-surdität nistet erst einmal die normalität und wenn wir uns verunsichern lassen dann jubiliert das prinzip aber die faktizität darbt der fragende muß nämlich vor allem wissen was eigentlich zu fragen lohnt und mehr noch was er nicht zu fra-gen braucht weil es sich existenteill erledigt hat nichts wäre unsinniger als überflüssige fragen zu formulieren nicht allein für den fragenden vor al-lem auch für den potentiell antwortenden würde sonst zuviel existentielle energie vergeudet es wäre eine blamage wenn marginalität zum aus-weis des fragenden würde gerade als fragender hat man das statische aus dem dynamischen zu filtern das was unsere existenz befördert zu be-freien von dem was uns beengt und gerade hierin gibt es wohl das größte differenzpotential zu be-arbeiten mir könnte es geradezu schwindelig werden bei all der offenheit und all den möglich-keiten wesentlich ist es wohl über das rein funk-tionale niveau der kenntnisse in die pulsierende unendlichkeit der erkenntnisse zu gelangen nach kenntnissen braucht man eigentlich nicht zu fra-gen man kann sie sich durch lernen aneignen das dynamische fragen zielt allein auf erkennen unseres jeweils spezifischen stellenwerts in und für die existenz unserer selbst und der gesam-ten menschheit und auch möglicher anderer le-bensformen im kosmos das läßt die dimensionen ungeheuerlich und unnötig kompliziert er-scheinen gut man muß die freiheit eben doch als notwendigkeit erkennen und erarbeiten fragen bedeutet dabei unweigerlich fortlaufende grenz-überschreitung der inneren wie der äußeren dimensionen aber manifestationen die sich und mich als fragenden nur im kreise auratischer be-fangenheit drehen erzeugen in des wortes dop-pelter bedeutung lediglich existentiellen schwin-del so einfach wollen wir uns nicht entlassen wir brauchen ein motivierendes niveau dem fragen-den muß jeweils detailliert bewußt werden wie er zu fragen hat wenn die substanz und die richtung der frage etwa durch schludrige formulierung nicht klar würde wäre diese frage nicht nur un-nütz sondern eigentlich gar nicht gestellt der fragende muß sich üben und disziplinieren er ist jeweils selbst für die verstehbarkeit seiner frage zuständig es bedeutet arbeit und überwindung das fragen zur hohen kunst zu entwickeln aber daran gekoppelt ist eben auch unsere menschliche entfaltung soweit nun also zu den unerläßlichen rahmenbedingungen des fragestellens selbstredend muß ein fragender sofern er dazu da ist perspektiven zu eröffnen vor allem den in-halt der frage präzise abwägen wenn der fragende also die absolute überzeugung hinsichtlich seiner position als fragesteller gewonnen hat wenn er endlich wesentliches von unwichtigem zu trennen vermag und wenn er seine worte eindeu-tig verstehbar zu wählen sich vorgenommen hat dann konzentriert er sich auf den inhalt das jeweils unausweichliche problem hierüber muß wohl in der situation jeweilig befunden werden wesentlich kann zumindets nur sein was eine si-tuation verändert zweierlei sei noch behauptet wir menschen können es uns überhaupt nicht leisten auf das fragen zu verzichten und der fragende will er nicht fraglich werden muß sich selbst in frage stellen und stellen lassen wie könnte ich das als mensch je im eigenen leben begreifen wie könnte ich aber ohne fragen zu stellen jemals glücklich werden. |