Ausgabe 2 / 2007 Beiträge

Horst Dinter

"THEMA VERFEHLT"




Wenn uns der Deutschlehrer unter einen Aufsatz "Thema verfehlt" schrieb, konnten wir nur fest-stellen, dass wir einen nicht wieder gutzumachen-den Schaden angerichtet hatten: Rechtschreib- und Grammatik- oder Satzbaufehler, vom freundlichen Lehrer mir R und G oder S am Rand des Aufsatzheftes angemerkt, würden durch Üben im nächsten Aufsatz vermieden werden, unzulängliche Begriffe, durch B angezeigt, sollten besser gewählt werden und die falschen Satzzeichen, die sich rot und deutlich in den Schreibzeilen abbildeten, waren ärgerlich, aber ebenso wie die anderen Fehler - vermeidbar.
   Bei "Thema verfehlt" wusste man mitunter noch nicht einmal, selbst wenn man einsehen konnte, dass sich das Ende des Aufsatzes irgendwo "verlaufen" hatte, wo eine entscheidende Weiche falsch gestellt worden war oder ob man von vornherein eine falsche Spur verfolgt hatte. Mit "Thema verfehlt" bekam man ein Armutszeugnis ausgestellt, das an die Wurzel ging: mit Üben ließ sich nichts ändern!
   - vielleicht mit Denken?
   Schülern gibt man dazu noch das eine oder andere Mal eine Gelegenheit. Schriftstellern, die ihr Geschriebenes auch noch verkaufen wollen, wird man "Thema verfehlt" kaum nachsehen!
   Nun können sich Schriftsteller, im Gegensatz zu Schülern, die Themen, über die sie berichten oder die sie bedichten wollen, selbst aussuchen, und deshalb sollte das "Thema verfehlt" bei ihnen grundsätzlich nicht vorkommen. Andererseits: soll man Verständnis dafür aufbringen, dass sie irgendwann merken, wie ihnen ein Thema über den Kopf wächst und dass sie es trotzdem nicht aufgeben wollen? Allerdings könnten sie dann ja noch die Überschrift über ihrem Aufsatz ändern!
   Warum "verfehlt" man ein Thema? (Manchmal) bei jugendlichen Aufsatzschreibern ist es die Erzähllust, die sie leicht fortträgt, wenn sie die Besonderheiten eines Themas nicht ganz durch-schaut haben. Oder die Erzähl-Unlust, wenn sie sich mit einem Thema herumbalgen sollen, das ihnen gar nicht liegt. Dann suchen sie Nebenwege zu Nebengedanken, Umwege, auf denen sie sich verlaufen: Thema verfehlt! Jugendliche müssen noch nicht in jedem Falle die notwendige Disziplin des Denkens beherrschen. Sie sollen sie lernen und man muß ihnen Zeit dazu lassen. Aber wer als Schriftsteller schreibt, muss sie vorweisen können.





Georg Walz

KLEINSTVERLAGE ALS WEG ZUM BUCH?




Als unbekannter Autor sein Manuskript bei einem etablierten Verlag unterzubringen, ist heutzutage nicht gänzlich unmöglich, kommt aber immer mehr dem Hauptgewinn bei einer Lotterie gleich. Unbestritten ist, dass selbst mittlere und größere Verlage aufgrund der wirtschaftlichen Lage in einem desolaten Buchmarkt zunehmend unter großen Erfolgszwang und finanziellen Druck geraten. Verlage sind gezwungen, als Wirtschaftsunternehmen erfolgsorientiert und erfolgsoptimiert zu arbeiten. Um wie viel einfacher und erfolgversprechender scheint es, in Lizenz die Übersetzung eines ausländischen Bestsellers in das Programm aufzunehmen, Auftragsarbeiten mit Themen, die im Trend liegen, an bekannte und bereits an den Verlag gebundene Autoren zu vergeben, oder sich eines Ghostwriters zu bedienen, um bekannte und prominente Namen zu vermarkten. Beispiele hierfür gibt es viele. Welcher Lektor ist da noch bereit, sich mit der zeitraubenden und vor allem risikobehafteten Suche nach einem neuen Auto-rentalent aufzuhalten?
   Ein Buch, das sich nicht oder nur sehr schleppend verkauft, bringt finanziellen Verlust. Die Produktion mehrerer Ladenhüter in Folge kann sich kein Verlag leisten. Für einen Kleinverlag bedeutet es unter Umständen den finanziellen Ruin. Der Lektor, der sich für ein bestimmtes Manuskript eingesetzt hat, spielt mit seinem Arbeitsplatz. Zudem ist ein gutes Manuskript noch lange keine Gewähr dafür, dass das Buch von den Lesern angenommen wird und sich gut verkauft. Geschweige denn die Bestsellerlisten stürmt.
   Dennoch ist das nichts Neues. Verlage mussten auch in der Vergangenheit mit Erfolg wirtschaften. Dazu zählte auch ein gutes Händchen der Lektoren für Autoren und deren Manuskripte.
   Zunehmend versuchen kleinere oder Kleinstverlage die finanziellen Risiken einer Buchpublikation auf Autoren ganz oder zumindest teilweise zu übertragen. Ob dies der richtige Weg für einen angehenden Autor sein kann, muss jeder für sich selbst entscheiden.


Profi- oder Hobbyschreiber

Wo liegt die Motivation der Autoren, ihre Manuskripte als Bücher zu veröffentlichen? Geld? Ruhm?
   Der professionelle Autor möchte schreiben und mit seinen Publikationen Geld verdienen. Er hat kein Interesse, sich finanziell an der Produktion und Vermarktung seines Buches zu beteiligen. Sein Risiko liegt in der Verantwortung für den Inhalt und dem Zeitaufwand für die Erstellung des Manuskriptes sowie dem Korrekturlesen der Druckfahnen. Das finanzielle Risiko der Bucherstellung und aller begleitender Werbe- und Marketingmaßnahmen liegt beim Verlag.
   Parallel zu der Gruppe der Profis hat sich eine Vielzahl von schreibenden Menschen etabliert, die ich der Einfachheit halber mit dem Begriff Hobbyautor umschreiben möchte. Das soll in keiner Weise als Abwertung zu sehen sein oder ausschließen, dass aus einem Hobbyschreiber ein erfolgreicher Berufsautor werden kann. So mancher hat sein Hobby zum Beruf gemacht und war damit sehr erfolgreich.
   Allen Autoren gemeinsam ist der Wunsch, dass ihre Werke, in die sie viel Zeit, Mühe und Arbeit investiert haben, publiziert und von einem möglichst zahlreichen Leserkreis gekauft, vielleicht sogar gelesen und positiv beurteilt werden.

DKZ-Verlage als Egobefriediger

Der angehende Autor hat ein Manuskript verfasst und sucht, nach vielfachen Absagen großer Verlage, verzweifelt einen Weg, sein Ego zu befriedigen und seinen Namen auf dem Cover eines Buches gedruckt zu sehen. Dieser Personenkreis ist die ideale Zielgruppe für all die "Verlage", die in der Branche gemeinhin als Druckkostenzuschussverlage bezeichnet werden.
   Dabei spielt es keine Rolle, wie der einzelne Verlag seinen Druckkostenzuschuss definiert. Das können ein Phantasiepreis oder durchaus auch ein realistischer Preis für die komplette Bearbeitung und Erstellung des Buches bis hin zum Druck, oder auch nur ein anteiliges Entgelt für einzelne Leistungen wie Lektorat, Entwurf und Erstellung des Covers, Satz- und Druckkosten pro Seite oder die verpflichtende Abnahme einer vorher festgelegten Anzahl von Büchern sein.
   Der Autor sollte stets bedenken, dass er schreiben möchte und üblicherweise nicht die Zeit hat, um von Buchladen zu Buchladen zu laufen und die Bücher anzubieten oder sie bei Lesungen zu verkaufen. Überlegen Sie sich vorher, wie viele Lesungen Sie abhalten müssen, um eine Pflichtabnahme Ihres Buches von beispielsweise einhundert Exemplaren an die Leser zu bringen. Einzelne erste Exemplare im Freundes- und Bekanntenkreis anzubieten und zu verkaufen, mag sich noch als relativ einfach erweisen. Doch wie-viele Bücher bleiben dann noch übrig? Mit viel Glück verkaufen sich pro Lesung drei bis fünf Bücher.
   Ganz abgesehen von den schwarzen Schafen der Branche, deren einziges Ziel es ist, das Ego des Hobbyschreibers zu befriedigen und ihm sein Buch für viel Geld frei Haus zu liefern. Ein Interesse am Verkauf des Buches ist kaum vorhanden. Das ist nicht notwendig, da das finanzielle Risiko allein beim Autor liegt. Die Leistungen des DKZ-Verlags wurden bereits entlohnt. Wozu also noch unnötig gutes Geld verschwenden, um Buch und Autor bekannt zu machen und auf dem Buchmarkt zu etablieren?
   Bei diesen Angeboten muss sich der Autor darüber im Klaren sein, dass er dafür bezahlt, seinen Namen auf dem Cover seines Buches zu sehen. Nur in Ausnahmefällen wird ein Erfolg auf dem Buchmarkt erreicht.

Der Hobbybuchschreiber als
Mitunternehmer im Kleinstverlag

Sicher gibt es Hobbyschriftsteller, die von ihren literarischen Arbeiten derart überzeugt sind, dass sie bereit sind, das finanzielle Risiko einer Veröffentlichung zu tragen. Gerade kleine und kleinste Verlage, deren Kapitaldecke nur unzureichend ist, leben davon. Eröffnet es ihnen doch die Chance, ihre eigene Präsenz auf dem Buchmarkt zu erhöhen.
   Doch bedenken Sie! Sie stecken Ihr Geld in ein Untenehmen, das über keine ausreichende Eigen-kapitaldecke verfügt, um Ihr Buch zu publizieren. Oder sofern das Kapital vorhanden ist, nicht bereit ist, es in ihr Buchprojekt zu stecken.
   Engagement und Enthusiasmus sind als begleitende Maßnahmen durchaus hilfreich, ersetzen aber nicht eine solide finanzielle Ausstattung. Diese ist nicht nur für die Produktion des Buches erforderlich, sondern vor allem dafür, das Buch und Sie, den unbekannten Autor, mit Erfolg auf einem eingefahrenen Buchmarkt zu vermarkten.
   Es gibt durchaus auch kleinere Verlage, die mit einem Übermaß an persönlichen Engagement, dem richtigen Händchen für die Auswahl von Autoren und Manuskripten und dem Lächeln von Fortuna es schaffen, ausgewählte Titel gut zu verkaufen und in die Gewinnzone zu kommen.
   Bleibt die Frage, wie diese Verlage von den lediglich das Ego befriedigenden DKZ-Verlagen zu unterscheiden sind.
   Ein Patentrezept kann an dieser Stelle nicht gegeben werden. Einige Hinweise können bei der Entscheidungsfindung für einen engagierten Kleinverlag nützlich sein. Sie schmeicheln dem Autor nicht und machen keine großspurigen Versprechungen, sondern reden von Anfang an Klartext: Wenn Ihr Manuskript wirklich so herausragend ist, weshalb wurde es dann so oft abgelehnt? Selbstredend werden nur Titel publiziert, von denen der Verleger überzeugt ist, dass diese eine reelle Chance auf dem Buchmarkt haben und zumindest die Kosten wieder einspielen. Sie verlangen keinen Phantasiepreis als Eigenanteil des Autors, sondern tragen den Großteil des finanziellen Risikos selbst. Hierbei kann ein Preisvergleich mit einem oder mehreren BOD-Unternehmen (Book on Demand) als grobe Richtlinie für die anstehenden Kosten hilfreich sein. Versprechungen mit hohen Auflagen und hohen Absatzzahlen sollten Sie hellhörig machen. Klein- und Kleinstauflagen sind eher die Regel. Solche Verlage publizieren kein Manuskript, das nicht lektoriert wurde. Sofern sie über kein verlagseigenes Lektorat verfügen, vergeben sie diese Leistung fremd, wobei diese Kosten nicht auf den Autor abgewälzt werden. Sie promoten Autor und Buch nach dem Druck durch geeignete und gezielte Werbemaßnahmen im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Im Gegenzug erwarten sie, dass der Autor bei Lesungen mitwirkt und mit dazu beiträgt, sich und das Buch bekanntzumachen. Sie bieten das Buch nicht ausschließlich nur über die eigene Verlags-Website und vielleicht noch einen zusätzlichen bunten Werbekatalog an. Wobei es nicht immer der Grossist sein muss. Schaden würde das aber nicht.
   Sicher lassen sich noch weitere Anhaltspunkte finden, die dazu beitragen können, Sie bei der Auswahl eines engagierten Kleinverlages zu unterstützen. Wobei es von Vorteil ist, eher auf den kühlen Verstand zu achten, als sich dem Gefühl hinzugeben und eine Menge an Geld für die Eitelkeit eines gedruckten Buches auszugeben.
   Sollten Sie nicht zufälligerweise der Senkrechtstarter sein, ist eines unbestritten: Jeder unbekannte Autor muss durch seine ständige aktive Mithilfe das Buch und seinen Namen einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen. Nur dadurch kann langfristig ein Verkaufserfolg erreicht werden und dies ihm unter Umständen die Tür zu einem großen Verlag öffnen..