Werner Saemann



Werner Saemann


Vita Leseprobe Fundgrube


1935 in Nürnberg geboren, wohnt heute in Bad Rodach, Landkreis Coburg.
Er erlebte das Kriegsende in Nürnberg und Insingen. Wurde Dekorateur und Graphiker in Nürnberg und Stuttgart. Trat 1958 in das Studium der Theologie in Neuendettelsau und Erlangen ein, mit Vikariat und Ordination in Tirschenreuth. 1967 Auswanderung mit Familie zum Dienst in der “Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien”.
1972 Rückkehr wegen eines schweren Verkehrsunfalles. Dienstjahre in Unter- und Oberfranken, zuletzt im Diakonischen Werk in Coburg.Heute im Ruhestand.

Sein erstes Buch, “Das bunte Leben” ist die erste Veröffentlichung seiner Liebe zu Sprache und Lied. Eigene Zeichnungen und Aquarelle sind mit dabei.

Das Buch umspannt 44 Jahre, doch der Schwerpunkt liegt in jüngster Zeit – und ist noch nicht sein letztes Wort.

Sein zweites Buch, "DER ERDE ENTRISSEN", ist Mitte 2005 im Helmut Seubert Verlag in Nürnberg erschienen (Gedichte, 129 Seiten, Preis 10.- Euro ( ISBN 3-926849-31-2 )).



Das Titelbild zeigt eine Vollplastik, die er für die Ausstellung "Macht Frieden" gefertigt hatte und die in der Jahresausstellung des Kunstvereins Coburg e.V. im Herbst 2005 zu sehen war; dazu gehört das Gedicht "Modern(d)er Krieger" S.12.
Der Gedichtband enthält ein Begleitwort von Rüdiger Jung.


Modern(d)er Krieger


Altholz und Eisen
vom fleißigen Menschen
der Erde entrissen
zum Krieger gestaltet
erscheint er veraltet.

Sein Schwert ist kein Schwert
sein Dolch kein Dolch
Strohmesser die Hippe
nur lächerlich ist er
ein leeres Gerippe.

Von Kriegen unstillbar
gebläht ist sein Darm.
Herz hat er keines
nur sinnlose Räder
und nur einen Arm.

Blind steht er in Ketten
erstarrt in der Pflicht.
Sein Kopf ist nur klein
mehr braucht er nicht
um Krieger zu sein.


17. 2. 2002

Leseprobe II.
Beim Chef


Mein lieber Michel, so übel
geht es ihnen doch gar nicht.
Sie sind nur noch sehr ungeübt
im solidarischen Lohnverzicht.

Wir stehn am Anfang der Reformen.
So viel brauchen sie nicht zum Leben.
Die Wirtschaft liegt in ihrer Hand.
Sie müssen nur mehr Geld ausgeben!

Schaun sie doch uns an - das
mit der Kündigung müssen sie verstehen -
wir machen in Deutschland kaum mehr Gewinne!
Sie könnten auch in ein Billigland gehen.

Arbeit wird es immer geben.
Herr Michel, wir sind schon nahe dabei.
Uns allen könnte es besser gehen.
Sie wählen wahrscheinlich die falsche Partei.

Jawohl, Herr Chef,
da kann man nichts machen -
Sie haben schon so viel für uns getan -
Zum Letzten dann, pack ich meine Sachen.


25. 2. 2005

Leseprobe III.
Im Wege


Wer kann sicher sein
sie gingen uns nichts an
diese beiden Bäume?

Die in der Erde eng verwurzelt
waag- und senkrecht
Halt und Nahrung fanden.

Die unzertrennlich
unter allem Wetter
lind und türkis grünten.

Zwei Liebesengel -
die jung und himmelhoch
an meiner Straße standen.

Mich bewegte ihr Berühren
strich ich die zarte Birkenhaut
den warmen Föhrenstamm.

Doch wie erschrak ich -
angesichts der Leere
über zwei blutenden Stümpfen!

Gefällt, nur damit wir
die Kurve besser kriegen -
bis wir selbst im Wege sind.


4. 11. 2001

Leseprobe IV.
Lindenblüte


Ganz oben in den Wipfeln
Blütenblätter verlieren sich
Himmel und Erde verschmelzen

Nur der Wind wiegt wärmend
In Wolken seinen süßen Duft
Über uns verschwenderisch

Wir kommen niemals dahin
In diese lichten Wohnungen
Ganz oben in den Wipfeln


27. 6. 2003

Leseprobe V.
In Ordnung


Mir gefällt es am Besten
wo nicht viel los ist
wo das Wichtigste
an seinem Platz:

Mein Kopf auf mir
ich auf dem Stuhl
mein Stuhl im Gras
Gras auf der Erde
Erde an der Sonne
Sonne in der Milchstraße
und die Milchstraße
ist auch nicht allein -

Das Wesentliche
geschieht lautlos
und kostet rein gar nichts.


9. 5. 2003

Leseprobe VI.

Freundschaft




Wer wärst du -
ohne das Klingen und Reifen
gleichartiger Seelen
ohne den Reichtum
gemeinsamen Suchens?

Wer wärst du -
ohne die Freude der Herzen
die Wärme der Treue
das Treiben und Tauschen
der tiefsten Gedanken?

Wie kämst du -
aus anderem Hause stammend
zur Glut des Vertrauens
vereinigter Flammen
ohne die Freundschaft?

Wie unreif
müsstest du bleiben, vereinsamt
verirrt, vegetierend
schon tot in dir selber
ohne jemals zu blüh'n.


1. 1. 2002

Leseprobe VII.
Los


Wirf die Münze
Egal wie sie fällt

Bleib in der Sonne
Die Erde dreht sich

Fliege dagegen
Du entkommst nicht

Denke vorwärts
Das Leben kreist

Säe und ernte
Was stirbt, das lebt

Ziehe den Kürzern
Habe nur Mut

Wirf die Münze
Es gilt jede Seite


23.10. 2001


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